Katalog Fotofehler

Wenn Bildwissenschafter eine künftige „bilderlose Gesellschaft“ postulieren, mag das auf den ersten Blick hin verwirren. Umgreifender gedacht kann dies auch bedeuten, zwar immer mehr Bilder zur Verfügung zu haben, diese jedoch nicht mehr entschlüsseln zu können. So sähe man gewissermaßen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Anders gedacht: Je mehr Bilder, um so weniger Zuwendung dem einzelnen Bild. In quantitativer als auch qualitativer Hinsicht.
In meiner Arbeitsserie Fotofehler denke ich dieses Szenario um die Technologie- revolutionsfrage innerhalb der digitalen Fotografie weiter. Gewissermaßen die extended version der Technikgläubigkeit des Fotografierens.

Erst der digitale Fehler einer fotografischen Aufnahme erhält Aufmerksamkeit.
Gewöhnte man sich als Gesellschaft seit 1839 an die physikalischen und chemischen Abläufe, die notwendig waren, um das gewünschte fotografische Abbild zu erreichen, erweitert/ändert sich dieser Prozess seit der Erfindung der digitalen Fotografie um die systemische Datenverarbeitung rund um das eintreffende Licht auf einer lichtempfindlichen elektronischen 
Einheit.
Dem regelmäßigen Auftreten von Verarbeitungsfehlern meiner digitalen Kamera dabei gilt mein Augenmerk. Als Thema und als künstlerischer Ausdruck.

Die Fehlerhaftigkeit menschlichen Erfindungen ist nicht neu, nur die Art der Fehler ändert sich.
Ähnlich und doch anders als beim Analogprozess liefert uns die Digitalkamera im Falle eines Speicher-/Ausrechnungsfehlers ein für uns nicht decodierbares Bildergebnis 
. Dabei stimmen zwar interessanterweise die Anzahl der erstellten und gespeicherten Pixel und das Format der Aufnahme. Das visuelle Ergebnis ist jedoch „falsch“.
Dass wir Menschen es als falsch bewerten können, bedarf einerseits eines Vergleiches zum Original, andererseits einer kognitiven Fähigkeit. Fehlt uns eines, können wir nicht mit Bestimmtheit von einem Fehler sprechen, obwohl vorhanden.

Durch den Einsatz von immer mehr technischen, kontrollierenden, helfenden, vermeintlich notwendigen audiovisuellen Systemen in schon fast allen Bereichen unseres Lebens steigt auch die Abhängigkeit bezüglich der Glaubwürdigkeit der gelieferten Ergebnisse. Großartig ist etwa der Vergleich zwischen unmittelbar wahrgenommener Wirklichkeit und deren Schematisierung bei Navigationssystemen. Die Anzahl der Fehlführungen ist oft schon amüsant. 
In der vorliegenden Arbeit geht es nicht um die Bewertung von heutigen technologischen Errungenschaften, sondern um das Spiel mit den Ergebnissen in akzeptierender, positiv-kritischer und kreativer Weise.

Nicht Verdammnis einer veränderten Wahrnehmungs- und Lebensweise, sondern die Bewusstmachung neuer Realräume steht im Vordergrund.